© ©

 

Die vegetative Ebene, auch Gefühlsebene oder »pflanzliche Kraft«, steht u.a. für das Aufnehmen und Verarbeiten von Nahrung = Stoffwechsel =

 

Vegetatives Nervensystem (bitte anklicken)

 

Die Kompetenz des sympathischen und parasympathischen Nervensystems z.B. ist die Grundlage um unseren Körper in bestimmten Situationen entweder auf Anstrengung, Leistung und Aktivität, oder auf Ruhe und Erholung vorzubereiten.

 

Emotion und Gefühl werden häufig synonym verwendet - bei genauerer Betrachtung sind sie jedoch differenziert zu behandeln: Die Emotion beschreibt einen Erregungszustand (bewußte oder unbewußte Reaktion/Reflex/Impuls auf einen Auslöser - komplexe psychologisch/seelische Prozesse auf verschiedenen Ebenen)  und das Gefühl einen Zustand der Empfindung (subjektives Erleben eines Seinszustandes wie Liebe, Hass, Neid, Hoffnung, Scham, Freude, Ekel, Zufriedenheit, Trauer, Geborgenheit usw.) Gegensätzliche Begriffe wie Verstand, Ratio, Analyse oder u.a. das erworbene Wissen beschreiben die Verstandesebene. Siehe dazu auch psychosoziale Kompetenz. Letztendlich ist das Empfinden von Gefühlen und Emotionen nichts anderes als eine hochkomplexe, biologische und elektrochemische Aktivität in unserem Gehirn - in Kooperation und Wechselwirkung mit dem "Rest" des Körpers (Sinnesorgane, Blutkreislauf, Drüsentätigkeit uvm.) Und was da genau passiert - werden wir wahrscheinlich nie ganz herausfinden können...

 

Weiters zeigt sich die vegetative Ebene durch verschiedenste innere Zustände und Befindlichkeiten wie Hitze, Druck, Kälte, Spannung, Angst, Wut, Ohnmacht oder dem Gefühl des »Entwurzelt« oder »verwurzelt« sein.

 

Auch Musik hören, sich an schönen Bildern erfreuen, Berührungen und Zärtlichkeiten austauschen, miteinander reden, ja alles was uns auf irgendeine Art und Weise nährt, findet auf der vegetativen Ebene statt.

 

Sie ist auch dafür zuständig Einflüsse bzw. Eindrücke von außen zu verarbeiten, die jeweiligen Informationen werden unserem kognitiven Empfinden nach gesammelt, beurteilt und unserem inneren»Gefühlsspeicher« (Erinnerungen, Erfahrungen usw.) zugeordnet/angepaßt (oder auch nicht). Und da kann sich mit der Zeit u.a. ganz schön viel heftiges und unangebrachtes ansammeln. Natürlich ist dies auch der Ort wo angenehme Erfahrungen und authentische Gefühle aufbewahrt werden. Nur der Ordnung halber sei dies auch erwähnt…

 

Wenn wir in unserer Gefühlswelt nicht wirklich wahrhaftig, aufmerksam, aufrichtig und ehrlich sind, sozusagen uns selbst auf eine trügerische Art und Weise verleugnen, kann es zu massiven Irritationen kommen. Dies steht auch in engem Zusammenhang mit unseren Erfahrungen aus unserer Lebensgeschichte heraus, wie haben z.B. unsere Eltern (oder ganz einfach Menschen die uns nahe gestanden sind) auf unsere Bedürfnisse reagiert als es in bestimmten Momenten wichtig für uns wahr, uns gefühlsmäßig so zu zeigen wie und wer wir sind und was wir gerade gebraucht haben – oder auch nicht. (Wut, Ohnmacht, Freude, Trauer, Zorn…)

 

Inwieweit wurden wir so wie wir uns gefühlsmäßig und emotional wahrhaftig und einzigartig gezeigt haben angenommen oder auch abgelehnt, was wurde von uns erwartet  (um den Vorstellungen anderer zu entsprechen) und wie haben wir auf diese Erwartungshaltung reagiert. Diese frühkindlichen Erfahrungen können unser Verhalten heute, hier und jetzt nachhaltig und wesentlich beeinflussen (um z.B. mit negativen Erwartungshaltungen durch das Leben zu gehen), da wir ja ständig damit konfrontiert sind, Situationen zu beurteilen und diese mit alten Informationen zu vergleichen um damit »angemessen« zu reagieren. Unsere Gefühle und Emotionen und die damit verbundenen Erfahrungen werden demnach ständig neu hinterfragt und abgespeichert. Und wenn hierbei die Ausgangssituation eine verletzte, konstruierte oder angepasste war, werden sich aus diesem dynamischen (Verdrängungs)Prozess heraus, danach immer wieder und immer mehr unauthentische, gekünstelte bzw. produzierte und programmierte Verhaltensmuster darüberlegen (wie bei einem Strickmuster oder einer Perlenkette...), um so unsere Reaktionen und Handlungsimpulse mehr oder weniger zu steuern. Dies entspricht in keinster Weiser unserer wahren und ersten Natur.

 

Es geht nicht darum unangenehme Gefühle durch Ersatzhandlungen (diese zeigt sich u.a. auch dadurch das wir immer glauben etwas »tun« zu müssen, etwas auf uns nehmen zu müssen um zu »entsprechen«) zu verdrängen oder dieses bekannte Gefühl der Leere in uns zu kompensieren. Dies ist in der heutigen Zeit (u.a. Konsum- und Wegwerfgesellschaft) ein weitverbreitetes Phänomen. Siehe dazu: »Gefühle und Vermeidungskultur«. Gefühle und Emotionen sind immer ok, sie sind einfach ein Teil unseres Wesens und unserer Persönlichkeit und können nicht seperiert betrachtet werden. Erst durch unser inneres Wertesystem können sie, je nachdem wie wir sie beurteilen (um dadurch unter Umständen gegen das was sich bemerkbar machen will, Widerstand aufzubauen - durch diese Vorgangsweise wird der Druck der sich von innen heraus aufbaut nur noch intensiviert - und wenn nicht beachtet und weiterhin verdrängt in weiterer Folge durch Reaktionen auf körperlicher Ebene sozusagen »spürbar« gemacht - es kann zu Funktionsstörungen kommen), einen bitteren Beigeschmack bekommen. Oder auch nicht. Auf jeden Fall werden sie immer versuchen sich zu zeigen. Aber nun ja, verdrängen, verleugnen, wegschieben usw. - all diese Verhaltensmuster können für eine gewiße Zeit auch ganz gut sein - weil es vielleicht noch nicht an der Zeit ist »hinzusehen«...

 

Funktionsstörungen durch verleugnete oder verdrängte Emotionen (und dadurch nicht ausgesprochene Gedanken) sind nur allzugegenwärtig und können unser Immunsystem nachhaltigst beeinflussen. Verdauungsprobleme, Allergien, Hautkrankheiten, permanente Stressgefühle oder Panikattacken sind nur ein kleiner Auszug aus dem vielfältigen Angebot an Botschaften auf körperlicher Ebene, wenn wir unseren Gefühlen/Emotionen keinen Raum geben, sie unterdrücken bzw. verleugnen.

 

Auf der vegetativen Ebene geht es also darum genau hinzusehen welche Gefühle/Emotionen sich gerade mitteilen möchten um diese auch auszusprechen. Um aus diesem sensitiven Gewahrsein heraus unseren Gefühlen und Gedanken Raum zu geben. Durch diesen Erkenntnisprozess werden wir un-abhängig von Zuneigung oder Ablehnung von außen (und über dadurch auch keinen »Druck«auf unsere Umwelt und Mitmenschen aus) und sind frei von der Last der Anpassung und Erwartungshaltung. Eine Vision mit Realisierungspotential sozusagen...wir beginnen dann schön langsam auch von anderen nichts mehr zu »erwarten« ! Denn: Wenn ich mir nichts erwarte kann ich auch nicht enttäuscht werden.

 

UND: Keine Sorge, wir werden durch den kompetenten und konstruktiven Umgang mit unseren Gefühlen und Emotionen kein anderer Mensch - wir erweitern lediglich unser Verhaltensrepertoire - verändern gewiße Dinge - lassen neues zu - möglicherweise werden wir verantwortungsvoller im Umgang mit uns selbst - um dadurch auch einen verantwortungsvolleren Umgang mit unserer Umwelt  UND unseren Mitbewohnern auf diesem Planeten zu pflegen. Und wenn das keine gute Geschichte ist... 

 


Noch ein spannendes Interview mit dem Hirnforscher Dr.Gerald Hüther. Bitte hier klicken.


Weiter zur Flexibilität